Es gibt nichts, was mich hält – au revoir!

05.05.2016

Das ist er: der Moment, den ich so lange hinausgezögert habe. Der Moment, von dem ich vor 7 Jahren nicht dachte, dass er je kommen würde, und der Moment, von dem ich vor 8 Jahren nicht wusste, dass ich ihn irgendwann schmerzlich vor mir her schieben würde. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist und das habe ich nicht gemacht. Weil ich nicht loslassen konnte, obwohl ich schon lange rausgewachsen war. Kennt ihr das, wenn ihr Dinge aufhebt, die ihr nicht mehr braucht, nicht mehr anzieht, nicht mehr nutzt, nur weil ihr so viele Erinnerungen damit verknüpft habt? Als wären die Erinnerungen plötzlich unauffindbar, sobald die Verknüpfung gelöscht wird? So geht es mir hier.

Zwei, drei, vier, fünf Jahre lang war Ominöses mein Baby, in das ich so viel Herzblut gesteckt habe, dass es mich im Nachhinein wundert, dass noch so viel für das “echte Leben” übrig war. Der letzte Artikel ist 7 Monate her, der vorletzte über ein Jahr. Damals war ich noch nicht bereit, die Leinen los zu machen und zu sehen, wohin mich die weitere Reise führt. Heute wundere ich mich, dass ich mich noch an mein Passwort erinnern kann (ist bloggen etwa wie radfahren?).

“Ich bin… 20 Jahre alt. Aus Oberbayern. Sowohl kleine Schwester als auch jüngste Tochter.  Anglistik und BWL Studentin im 2. Semester an der Uni Regensburg. Hobbyfotografin. Desperate Housewives, Sex and the City und Gilmore Girls Fan. Shoppingliebhaberin. Mannschaftsführerin der Damen vom TC Geisenfeld. Internetsüchtig. Romantikerin. Überzeugte Nichtraucherin. Oft etwas schwierig aber im Endeffekt wohl doch liebenswert. Und seit einer nicht genau definierbaren Zeit von “etwa 3-4 Monaten” glücklich verliebt.”

Das war mein erster Auftritt vor 7 Jahren, einem Monat und gut einer Woche. Ich bin eher auf die Bühne gestolpert als geschritten. Inzwischen habe ich alles Wissen aus dem Studium längst wieder vergessen, arbeite seit über einem Jahr in meinem aktuellen Traumjob, schreibe mehr denn je, vernachlässige das Internet mehr denn je, spiele wenig Tennis und fotografiere noch weniger. Meine oberbayerische Heimat habe ich vor 7 Jahren verlassen und bin inzwischen nicht mal mehr richtige Regensburgerin. Aber ich bin noch mindestens genauso verliebt wie damals – in denselben Mann. Den Mann, den ich in weniger als 3 Monaten heiraten werde.

Es ist so gar nichts mehr ominös.

Die Zeit ist also gekommen, mich zu verabschieden. Das mag jetzt übertrieben melodramatisch klingen. Aber für mich ist diese Seite Sinnbild der letzten 7 Jahre. Ich blättere selbst gern in den Seiten, krame alte Geschichten heraus und erinnere mich – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mal wehmütig, mal amüsiert, mal traurig, doch in den meisten Fällen sehr glücklich.

Und das werde ich auch weiterhin.

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(Feier)Abend

28.10.2015

Es ist Feierabend. Der Tag war lang, das Nachhausekommen umso mehr herbeigesehnt. Wir kuscheln uns beide auf die Couch, erzählen uns von unserem Tag. Von lustigen Kollegen und komplizierten Aufgaben, von spannenden Projekten und viel zu langen To-Do-Listen. Ja, manchmal erzählen wir uns sogar was wir zum Mittagessen hatten.

Es ist Feierabend. Der Tag war lang, das Nachhausekommen umso mehr herbeigesehnt. Wir kuscheln uns beide auf die Couch, nur nicht auf die selbe. Ich dachte, mit Ende 20 wäre ich endlich an einem Punkt, wo ich nicht mehr vermissen müsste. Wo ich abends nicht nur nach Hause komme, sondern zu ihm nach Hause. Gemeinsam aufwachen, gemeinsam einschlafen. Das war der Plan.

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Was nicht kommt und was nicht geht

01.05.2015

Da steh ich nun – und warte. Auf dich. Darauf, dass du kommst und mich abholst. Mich dorthin bringst, wo ich hingehöre. Nach Hause.

Es regnet, ich habe keinen Schirm dabei. Stelle mich unter, mit 50 anderen Leuten, die hier stehen und warten. Auf dich, oder auf jemand anderen, der sie abholt und sie dorthin bringt, wo sie hingehören. Nach Hause.

Mir ist kalt. Verdammter April, man weiß einfach nicht was man vom Wetter erwarten kann, bevor man draußen steht – im Regen – und wartet. Und auf die Uhr schaut und wartet. Und sich von einem Bein auf das andere stellt und  wartet. Musik hört und wartet. Twittert und wartet. Wartet, wartet, wartet.

Wartet auf dich. Darauf, dass du kommst und mich abholst und mich dorthin bringst, wo ich hingehöre. Nach Hause. Zum Liebsten.

Schade, MeinFernbus, es hätte so schön mit uns werden können. Aber von 5 Fahrten 3 mit einer Verspätung von 30 Minuten bis 2 Stunden kann ich nicht hinnehmen. Nicht jetzt, wo ich höchstens 48h die Woche mit dem Liebsten habe. Nicht jetzt, wo wir eine Wochenendbeziehung führen. Nicht jetzt, wo wir uns näher sind als je zuvor und doch die meiste Zeit voneinander getrennt. Nicht jetzt, wo Vermissen öfter passiert als Wiedersehen. Nein, es geht nicht.

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Von Fenstern und Türen

21.04.2015

Im November hatte ich ein Vorstellungsgespräch, das ich nicht ganz einschätzen konnte, aber das eigentlich ganz gut gelaufen ist. Es ging um Pressearbeit, Texten und Social Media. In einer spannenden Branche, in einem soliden mittelständischen Unternehmen, für ein großartiges Gehalt und gute Konditionen. Nach dem ersten Gespräch wurde ich gebeten, Probetexte zu schreiben (ein gutes Zeichen!) und die kamen sehr gut an und haben mir nach einer kurzen Einfühlungsphase auch Spaß gemacht zu schreiben. Ich bin ja Recherchearbeiten gewohnt, denn auch im Studium und bei meinem vorherigen Arbeitgeber habe ich mich in Bereiche eingearbeitet, von denen ich bis zu dem Zeitpunkt keine Ahnung hatte.

Kurz vor Weihnachten kam dann die Einladung zum zweiten Gespräch – ich war in der engeren Auswahl!!! Und ich dachte mir, das soll irgendwie so sein. Nach einer Phase exzessiven Bewerbens nach Abgabe meiner Masterarbeit war das die einzige Bewerbung, die noch offen war. Ich habe nicht sooo viele Bewerbungen geschrieben, aber überall Absagen bekommen. Alle wollen immer nur die Musterbewerber mit 5 Jahren Berufserfahrung, die blutjung sind und bereit, viel zu arbeiten, aber dafür nicht viel Geld wollen. Und schon gleich gar keine jungen Frauen Mitte zwanzig.

Dementsprechend war ich zu diesem Zeitpunkt zugegebenermaßen bereits ein wenig desillusioniert. Sechs Jahre habe ich in meine Ausbildung gesteckt, war im Ausland, habe gearbeitet so viel nebenher ging, habe praktische Erfahrung gesammelt und mich persönlich weitergebildet. Und dann, als der Zeitpunkt gekommen war, wo sich das alles auszahlen sollte, ging ich plötzlich leer aus. Das Einzige, was ich für meine Bemühungen bekommen habe, waren Emails, die mit “Vielen Dank für Ihre Bewerbung. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, …” angefangen haben. So ungern ich es zugebe, aber das hat sogar meinem sonst so starken Selbstbewusstsein einen Dämpfer verpasst. (Ja, “hätt ich mal was gscheids studiert!” schoss mir auch ein paar Mal durch den Kopf).

Jedenfalls, das war die letzte offene Bewerbung. Mich hat das absolut davon überzeugt, dass das meine Chance ist. Der eine Job, der auf mich wartet, bei dem alles passt. Darum haben mich andere Vorstellungsgespräche nicht so überzeugt, darum hatte ich vorher so viele Absagen bekommen – weil dieser Job eben noch nicht dabei war. Und hier war er, zum Greifen nah. Das zweite Gespräch lief besser als das erste. Ich habe mich irre gut vorbereitet und hatte den Eindruck, dass ich mich im bestmöglichen Licht präsentiert habe, und dass ich wirklich unheimlich gut angekommen bin. Für mich war die tatsächliche Zusage nur noch Formsache. Drei Wochen später – drei unendlich lange, nervenaufreibende Wochen – war sie da: die Email, die mit “Leider” anfing.

Die letzten Wochen habe ich immer wieder mal an diese Email gedacht. An die verpasste Chance, an diesen Job, der meine große Hoffnung war. Und ich bin unfassbar dankbar für das “leider” und die Absage und die Bewerbungen, die ich danach wieder geschrieben habe. Denn da war er tatsächlich dabei. Der Job, der auf mich gewartet hat. Der Job, bei dem alles passt. Bei dem ich zum Vorstellungsgespräch reingegangen bin und wir einfach auf einer Wellenlänge waren. Wo ich mich nicht bestmöglich verkaufen musste, sondern einfach Ich war und trotzdem überzeugt habe. Wo ich vor dem zweiten Gespräch nicht nervös war, sondern vorfreudig.

Was ich damit sagen will: Manchmal schließt sich eine Tür und eine andere öffnet sich. Und manchmal schließt sich ein Fenster und es öffnet sich ein ganzes Tor. Ich will nach 3 kurzen Wochen nichts verschreien, aber hier bin ich glücklich. Hier stimmt die Chemie, hier passe ich ins Team und werde für das geschätzt, was ich bin und was ich kann. Vielleicht tue ich dem Unternehmen von Anfang des Jahres Unrecht, wenn ich sage, dass sie mich abgelehnt haben, weil sie mich einfach nicht verdient haben. Und während ich die letzten Monate insgeheim gehofft habe, dass sie ihre Entscheidung noch bereuen werden und der neue Mitarbeiter grottenschlecht ist, bin ich ihnen rückblickend so dankbar, dass sie gesehen haben, dass der Job nicht zu mir passt. Dass etwas anderes auf mich wartet, das mich glücklich machen kann.

Am Ende sind es eben doch wieder die kleinen Dinge.

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Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende

31.03.2015

Nach 6 Jahren Durcheinander und Partys, 6 Jahren voller Unsicherheiten und Verlorensein, 6 Jahren voller Schmetterlinge und Hoffnungen, 6 Jahren Studium und Nebenjobs, bin ich da, wo ich von Anfang an hin wollte. Ich habe einen Job gefunden, von dem ich glaube, dass er mich erfüllen wird. Ich werde tatsächlich mit Schreiben mein Geld verdienen. Ich werfe mit Buchstaben um mich, male Bilder mit Worten, versuche Menschen mit meinen Zeilen zu begeistern – und dafür werde ich auch noch bezahlt! Unfassbar, nicht wahr?

Nun kommt noch ein kleiner “Haken” – der Traumjob ist in Nürnberg. Also bin ich letzte Woche dorthin gezogen, in eine süße kleine 1-Zimmer-Wohnung. Ich muss zugeben, es tut ein bisschen weh, Regensburg zu verlassen. Aber es ist ja nur für Montag bis Freitag, am Wochenende bin ich daheim, beim Liebsten. Für uns sehe ich keine Schwierigkeiten, denn wir sind stark genug, um alles zu überstehen. Was sind schon ein paar Tage die Woche oder ein paar Kilometer Entfernung? Wir haben bisher jede Distanz überwunden und jede Herausforderung zusammen gemeistert. Wir gehören zusammen, egal wo ich bin. Und der Job klingt so großartig, dass ich die kleine Entfernung gerne in Kauf nehme.

Im Laufe der letzten 6 Jahre haben sich hier über 900 Artikel angesammelt. Ich habe mich in diesen 900 Texten gefunden. Mich wie ich heute bin. Ich habe ein Buch daraus gemacht, das jetzt im Regal steht und irgendwann von meinen Kindern gelesen werden wird, wenn sie fragen, wie sich ihre Eltern verliebt haben.

Danke, dass ihr mich auf diesem Weg begleitet habt. Durch die Höhen und Tiefen, die großen und kleinen Abenteuer, das Ominöse. Danke für über 3.000 Kommentare voller lieber Worte. Einfach Danke.

Und mit diesen Worten wollte ich diesem Blog ein Ende setzen. Aber ich stehe gerade so vielen Veränderungen gegenüber, dass ich zu diesem Schritt noch nicht bereit bin. Plötzlich finde ich mich in einer ähnlichen Situation wie vor sechseinhalb Jahren: In einer neuen Stadt, in einer neuen Wohnung, mit neuen Menschen, vor neuen Herausforderungen. Diesmal weiß ich, egal was kommt, solange ich ein Ventil habe, um meine Sorgen, meine Freuden, meine Sehnsüchte, Hoffnungen und Träume in ein paar aneinandergereihten Buchstaben niederzuschreiben, fühle ich mich sicher.

Vielleicht sind das hier meine letzten Zeilen. Vielleicht auch die ersten in einem neuen Kapitel. Ich lasse mich genauso überraschen wie ihr.

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