Eine meiner absoluten Lieblingsfragen. Gleich nach “wie, nicht auf Lehramt?”. Aber ich schätze, als Anglistik Studentin mit 2.Hauptfach BWL muss ich das über mich ergehen lassen. Wäre auch alles nicht weiter schlimm, wenn ich wissen würde, was ich nach dem Studium mit der Kombi anfangen kann. Aber ich denk mir, da wird sich schon was finden, Englisch ist Weltsprache und BWL kann auch nicht schaden.
Einer Freundin von mir, die auch Anglistik, aber zusammen mit Medienwissenschaft und vergleichenden Kulturwissenschaften studiert, geht die Frage nach dem “danach” genauso auf die Nerven. Sie hat jetzt beschlossen, statt zu erklären, dass ihr Möglichkeiten in Sprachbüros, sowie Journalismus und alles weitere in den Medien offen stehen, antwortet sie lieber mit irgendwas völlig abwegigem und schaut was passiert. Also arbeitet sie später zum Beispiel in der Astrophysik. Oder Nanotechnologie. Ich trau mich wetten, dass das nachts in nem Club (wo’s sowieso total nervt wenn man da smalltalk-mäßig neben hämmerndem Bass erklären soll wie der zukünftige Karriereplan aussieht) nicht sehr vielen auffallen wird, dass da was nicht passt.
Aber lieber lasse ich mich noch 137x fragen, was ich später damit machen werde, als schon bei Erwähnung des Studienfachs schief angeschaut zu werden, wie es einem mir bekannten Mathe-Physik Studenten ergeht (und ja, auf Lehramt). Seine Studienwahl war nicht ganz freiwillig, aber er versucht trotzdem das Beste daraus zu machen. Soweit man das Beste draus machen kann, wenn man bei einer Durchfallquote von teilweise über 90% keine einzige Prüfung besteht. Da soll mir noch einer sagen, dass Mathelehrer zur Zeit gefragt sind, wenn sogar Studenten, die in der Kollegstufe im Mathe-Leistungskurs immer 15 Punkte hatten, jetzt trotz hartem Lernen (und da meine ich nicht das “harte Lernen” das ich zweifelsohne hinter mir habe, sondern richtig richtig hart, schon vor Weihnachten angefangen und bis zum Ende jeden Tag extra 2 Stunden früher aufstehn um noch vor der Uni um 8 zu lernen und nach der Uni sofort weiterlernen) nicht mal ne geringe Chance haben.
Jedenfalls wird man wohl als Mathe-Physik Student grundsätzlich als lernwütiger Freak charakterisiert. Das zeigt zumindest die Erfahrung, dass sich viele Leute erst gar nicht weiter mit einem befassen, wenn man diese Kombi nennt. Aber solche Klischees über die Studiengänge gibts doch überall. Wie oft hört denn ein BWL-Student “Ach, du studierst BWL.. is dir wohl nix Besseres eingefallen”, oder mein persönlicher Lieblingsspruch “Blond, hübsch, tiefer Ausschnitt, hätt ich mir ja denken können, dass du BWL machst”.
Von den Sprüchen, die sich zukünftige Grundschullehrer anhören müssen, will ich jetzt gar nicht anfangen. Dazu kann ich nur sagen, dass das Studium für Grundschullehramt um einiges anspruchsvoller ist, als man als Außenstehender denken mag. Die ersten Semester studiere ich Anglistik zusammen mit den Englisch-Lehramtsstudenten, egal an welcher Schule die später unterrichten werden. Somit müssen auch Grundschullehrer durch die gesamte Literaturgeschichte, anspruchsvolle Linguistikseminare, diverse Grammatikkurse und die komplette Geschichte von England und Amerika, auch wenn sie im Berufsleben später wohl kaum etwas davon brauchen werden.
Als Fazit kann ich – aus gegebenem Anlass – nur jedem raten, sich nicht aufzuregen, wenn man mit Vorurteilen über den gewählten Studiengang konfrontiert wird. Die meisten Leute meinen’s sicher nicht böse, und jeder hat sich doch selber schon mal bei dem ein oder anderen Fach (wie zum Beispiel Geodäsie, Finnougristik, Oenologie oder Optometrie) gedacht:
OMG, wer studiert denn sowas?
Und was will er später damit machen???
























29.03.2009 um 14:09
wie wahr, wie wahr
29.03.2009 um 19:25
Boar, die Frage kenn ich auch *genervt* Ich erzähl dann auch meist irgendwelche Geschichten, wenns die Leute einfach nicht kapieren wollen. Studium is nicht wie ne Ausbildung, wo der Beruf so heißt wir dieselbige…
02.05.2009 um 18:17
mir gehts mit Physik ähnlich. Und nein, nicht auf Lehramt. sondern reine Physik. dabei wissen die wenigsten, dass man, sobald man (irgend)einen hochschulabschluss in der tasche hat, überall arbeiten kann. man muss sich doch nicht festlegen….
28.10.2009 um 00:27
Wie wahr! Die Frage der Fragen jagt auch mir, seit ich Asienwissenschaften studiere, nach. Deswegen auch die dezente Kopiervorlage in meinem Blog
Ich verstehe natürlich, dass man nicht mit allen Studiengangsbezeichnungen etwas anfangen kann, trotzdem nervt es mich!
Das ist das selbe Spiel wie mit der Kassiererin bei Kaufland: Als Kunde freut man sich, wenn man nach dem Einkauf gefragt wird ob alles on Ordnung war – die Mitarbeiterin selbst verflucht diesen Satz sicherlich.
Ich versuche mich in Toleranz und frage Menschen, die an Infotheken o.ä. arbeiten nicht mehr die trivialsten Fragen. Nur noch die Schweren^^