Zeitbombe

Ich kann es nicht länger ignorieren. Ich hab zuerst gedacht, es geht nur mir so. Ich hab ja nicht die optimale Studienfachwahl getroffen mit BWL als 2. Hauptfach, das weiß ich. Und dass ich mich deswegen da nicht so leicht tue, ist auch klar. Aber ich bekomm immer mehr das Gefühl, dass es niemandem so richtig gut geht.

Englisch war immer mein Lieblingsfach. Ich war in der Schule immer eine der Besten in meiner Klasse und hatte das beste Englisch-Abi meines Jahrgangs. Für mich war es schon seit langem klar, dass ich das studieren werde, weil’s mir unglaublich Spaß macht, weil’s mir total leicht fällt und ich die Sprache liebe. Aber jetzt im Studium ist das alles anders. Plötzlich bin ich Durchschnitt, wenn nicht eher eine der schlechteren. Ich muss mich richtig reinhängen und schreibe schlechte Noten, obwohl ich viel lerne. Ich halte es zur Zeit für aussichtslos bei mir. Ich bin nicht faul und auch nicht dumm. Aber ich frage mich, wenn ich schon in einem Fach so schlecht bin, das mir eigentlich total liegt, wie wäre ich dann erst, wenn ich was anderes studieren würde? Ich glaub, das kann sich jeder ausrechnen.

In der Prüfungszeit ist der Druck auf den Studenten so groß, dass man’s kaum aushält. Ich hab neulich erst bei SpiegelTV oder so eine Reportage darüber gesehen, dass viele Studenten wegen dem enormen Leistungsdruck zu konzentrationssteigernden Medikamenten greifen und davon abhängig werden. Alle, die ich kenne, belassen es hauptsächlich bei übermäßig viel Kaffee und Guarana. Eine meiner Kommilitoninnen habe ich gestern sagen gehört, dass sie seit 2 Wochen jeden Tag Beruhigungsmittel einnimmt, weil sie sonst nachts nicht schlafen könnte. Viel zu viele Studenten sprechen auch von Magenschmerzen und Depressionen. Das halte ich wirklich für ein ernstes Problem.

Ich frage mich: War das früher auch so? Oder liegt das jetzt an dem blöden Ich-schreibe-gern-37-Klausuren-in-5-Tagen-Bachelor? Alle Noten zählen, wenn man am Ende nicht auf 2.5 oder besser kommt, kann man den Master so gut wie vergessen. Der Druck ist wirklich groß, in der Prüfungszeit bleibt kaum noch Zeit für was anderes als Lernen. Man steht morgens möglichst früh auf, setzt sich an den Schreibtisch, Mittag gibt’s dann ne Stunde Pause und Abends nochmal und ansonsten wird halt durchgehend gelernt bis abends um 10. Da chillt man dann noch ne Stunde, ist aber völlig erledigt, legt sich ins Bett und kann nicht einschlafen, weil man sich denkt “Wie soll ich das nur alles schaffen?”. Das ist nervenaufreibend und eine wirkliche psychische Belastung. Und in der Zeit sollte einem keiner blöd kommen, weil man eh schon so gereizt ist, dass man jeden Moment explodieren könnte. Da braucht sich niemand mehr wundern, dass so viele Leute durchdrehen…
Ich sollte Psychologie studieren, dann würd ich nachher zumindest sicher nen Job finden.

  1. 1. August 2009, 16:52 | #1

    der bachelor ist ein arschloch. ich denk den ganzen tag an nix anderes als das studium. sogar in der kneipe bei nem bier schwirren mir varianzen und sontiger scheiß durchn schädel. normal is das nicht.
    hab mir auch schon überlegt, ob ich mir ritalin von meinem bekannten doc hole… würde soviel einfacher machen…

  2. 1. August 2009, 18:53 | #2

    also ich studier hier ja noch nach dem guten alten diplom, hab durchschnittlich komische noten und wir haben auch viel stress in der prüfungszeit.

    aber eins ist klar: nicht das studium ist schlimmer geworden, die leute sind einfach verdammte weicheier geworden. wer schon wegen dem stress im studium einen nervenzusammenbruch bekommt, der hat den auch verdient. wer wegen dem stress gleich medikamente nimmt, der hat auch die abhängigkeit verdient. die leute sollten einfach mal ausschlafen :)

    stell dir mal vor, du liegst bei einem arzt unterm messer, der bei einer matheklausur einen nervenzusammenbruch bekommt. oder ein politiker, der sich vom physiklabor unter druck gesetzt fühlt, hat den finger über dem roten knopf.

    an der fos hatten wir mal einen lehrer, der hat leuten bei dummen fragen mit ihrem mäppchen eins über den kopf gezogen. eigentlich nicht lustig, aber wirkungsvoll. manche leute sollten einfach nicht studieren, wenn sie mit dem “bisschen” stress nicht klar kommen. ich denke mal eigene kinder sind stressiger, was machen solche leute dann erst? :D

  3. Sebastian
    1. August 2009, 19:16 | #3

    Also ich hab kein Problem mit dem Bachelor. Ich hab davor zwei Semester Diplom studiert und hatte da auch schon 5 Fächer pro Woche, also an jedem Tag eine Prüfung.

    Ansonsten hält sich das bei mir im Bachelorstudium sehr im Rahmen. Klar muss man in der Prüfungszeit lernen und mal etwas mehr tun, aber stressen tut mich das nicht.

    Ich denke man sollte das einfach ganz locker sehen und nicht immer den Schnitt von besser wie 2,5 im Kopf haben, dann ist das ganze auch entspannter. So ist es zumindest bei mir!

  4. 1. August 2009, 19:46 | #4

    Ja man hats echt nicht mehr leicht als Bachelor.. man ist quasi allein gelassen. Ich hatte das Vergnügen kurz an der FH zu studieren und dachte mir was für ein kranker Leistungsdruck bin zurück an die Uni nur um dort das selbe nochmal zu erleben. Wenn viele in den nächsten Jahren nicht mehr Studieren werden, liegts nicht an den Gebühren sondern an den vielen die es nicht geschafft haben werden und jeden davor warnen den selben Fehler zu begehen. Da bleibt nur noch die Frage, wie soll ichs schaffen und wie gehts weiter wenn nicht?

  5. 1. August 2009, 19:59 | #5

    Ich habe das Glueck, noch auf Diplom zu studieren und mir deswegen relativ viel Zeit fuer nicht (direkt) studienrelevante Dinge nehmen zu koennen. Pruefungsstress kenne ich daher eigentlich nur noch als Erinnerung aus dem Grundstudium, wobei ich’s da auch schon (vielleicht zu) locker angehen lassen habe ;)

    Worin ich dich beruhigen kann: Ich kenne wenige Leute, die in ihrem Studiengebiet voll aufgehen. Wenn’s nach der Schule gegangen waere, haette ich Anglistik studieren sollen, wenn’s nach den Interessen gegangen waere, SGA. So ist’s nun was ganz anderes, und manchmal frage ich mich eigentlich, wie ich ueberhaupt so weit gekommen bin, wo ich doch von so vielen Themen meines Studiums kaum Ahnung zu haben scheine.

    Lustigerweise — und ich glaube mittlerweile, dass das der Schluessel ist — juckt mich das nicht die Bohne. Letztendlich findet sich naemlich doch immer etwas, das mich so richtig interessiert, und in das ich mich auch hineinknie. Und zudem habe ich trotzdem den Eindruck, ordentlich was fuer’s Leben gelernt und auch den einen oder anderen wichtigen Kontakt geknuepft zu haben. Und die restlichen Leistungspunkte bekommt man schon zusammen.

    Wird schon irgendwie klappen. Hat schon immer irgendwie geklappt ;)

  6. nt
    1. August 2009, 20:59 | #6

    eventuell nimmst du das Studium zu ernst? ok hab auch meinen stress wahrend der prüfungszeit, liegt aber daran, dass ich einfach viel zu spät mit’m lernen anfange und wahrend des Semesters mal absolut nichts tue. drum nehm ich’s auch ziemlich gelassen. 4 gewinnt ist mein Motto! der Schnitt ist nach 4 Semestern noch unter 2.4. perfekt also. schon mal darüber nachgedacht, dass ein Studium nicht für jeden geeignet ist? also nur weil du ein Überflieger im Abitur warst bedeutet dass nicht dass du der super Student bist. das wichtigste ist, wirklich wichtiges zu erkennen, Mut zur Lücke! nicht Böse nehmen, aber wenn’s dir dabei so schlecht geht, evtl wäre eine Ausbildung besser für dich? ich würde auch behaupten, dass sich schüler von Bos und fos deutlich leichter tun als die vom Gymnasium.

  7. 1. August 2009, 21:42 | #7

    Hi maki. Bin zwar noch angehender Diplomant, aber kenne das. Im Moment lern ich von morgens 7 bis abends 9 oder 10Uhr und frage mich jedesmal was ich den ganzen Tag gemacht hab, warum nix hängen bleibt und wie ich das nur schaffen soll. Und das jedes semester aufs neue. Irgendwie gehts dann doch und man ist froh wenn man es hinter sich hat. Mich persönlich regt es am meisten auf, dass es sich in den meisten Fällen um reines “Bulimielernen” handelt. Man versucht krampfhaft irgendwelche Unmengen an Stoff in seinen Kopf zu knallen, nur um sie dann in der Klausur auszukotzen. Dabei sind 80% des Studiums reine Wissensfragen, weder Transfer noch Verständnis werden getestet, von einer kritischen Hinterfragung des Stoffes mal ganz zu schweigen…

    Ich merks ja unserer Umstellung auf den Bachelor… waren früher die Vorlesungen schon prall gefüllt sind sie jetzt zum Teil noch voller und anders gewichtet. Für Verständnis des Stoffes bleibt keine Zeit mehr und wird ohnehin nicht mehr gefordert. Aber hey, Hauptsache nach 6 Semestern können wir die Studis auf den Arbeitsmarkt werfen. Ich meine mit meinem Diplom, dass ich irgendwann mal habe, würde ich nicht behaupten auf einen direkten Berufseinstieg in der Wirtschaft vorbereitet zu sein. Das einzige wozu das Studium dient ist, dass man lernt sich möglichst schnell, zielgerichtet in verschiedene Problemstellungen einzuarbeiten. Wie das als Bachelor, der nicht mal weiß wie Seminararbeit oder Literaturrecherche geschrieben wird, gehen soll, bleibt mir ohnehin ein Rätsel.

    Naja, ich werd mich jetzt wieder an meine Bücher hocken, und noch etwas Stoff in den kopf hämmern.

    viele Grüße untenrum

    P.S: schöner blog ;-)

  8. 1. August 2009, 22:35 | #8

    Ich kann euch gut verstehen. In meinem Studium war/ist das auch so. Jede Note vom ersten Semester an zählt. 5 Klausuren in einer Woche, 2 oder an 3 an einem Tag waren da keine Seltenheit.

    Aber ich kann euch sagen: Man kann es schaffen! Augen zu und durch- und bitte ohne Rital o.Ä. ;-)

  9. m4ki
    2. August 2009, 13:04 | #9

    @markus: ja naja, kann gut sein, dass die Leute verweichlicht sind, aber dass Bachelor mehr Stress bedeutet als Diplom können dir genug Leute bestätigen. Ist halt einfach fast das gleiche Pensum an Stoff in deutlich weniger Zeit. Und auch die Tatsache, dass man nicht mehr die ersten Semester Grundstudium zur “Eingewöhnung” hat, macht’s nicht leichter. Da is nix mit den guten alten Sprüchen wie “Ja, is das erste Semester, ich geh’s langsam an” oder “Ich weiß ja jetz noch nicht was mich erwartet”, weil einfach jede Note zählt. Und im Nachhinein interessiert’s keinen mehr ob man das erste Semester verkackt hat und das den Schnitt runterzieht oder ob man chronisch Mittelmaß war.
    Du hast schon recht, wie soll das später werden, wenn man schon im Studium nervlich am Ende ist. Aber ich versteh’s und wahrscheinlich is es ganz gut so, weil wenn man dann mal Chirurg ist, ist man den Druck gewohnt :D Auch das mit den Kindern ist “Gewöhnungssache”, die erste Zeit ist schwer und irgendwann hat man dann den Dreh raus, viele zumindest. Nur haben die Bachelor halt keine Zeit den Dreh rauszukriegen, weil bis man sich versieht sind die ersten 3-4 Semester rum und die Prüfungen schon verkackt ;) Und da will ich jetz keine Diskussion zum Thema was es anrichtet, wenn man Kinder die ersten Jahre nicht richtig erzieht ;)

  10. m4ki
    2. August 2009, 13:08 | #10

    @Sebastian: Das mit dem nicht immer den Schnitt im Kopf haben ist leicht gesagt und wär sicherlich stressfreier, das Problem ist nur, dass sich viele hart tun und wenn sie dann nicht immer >2.5 anstreben, wird’s halt nix. Ich seh’s bei mir, ich bin im Moment auch unter 2.5. Da muss ich noch gut ackern die nächsten 2 Jahre.

    @wene: Ja, die beiden Fragen kenn ich sehr gut! Ich würd ja auch das Fach wechseln, wenn ich wüsste wohin… Es vergeht halt total vielen Leuten die Lust an einem Fachbereich, wenn sie’s dann studieren. Auch wenn’s später im Berufsleben wieder das Richtige wäre, man lernt halt im Studium so viel theoretischen Mist, dass man sich im blödesten Fall irgendwann denkt “Der Scheiß interessiert mich nicht mehr, ich hör auf/mach was anderes”, auch wenn man urprünglich schon in die Richtung gehen wollte…

  11. m4ki
    2. August 2009, 13:44 | #11

    @stk: Prüfungsstress aus dem Grundstudium? Da gings doch nur um durchkommen und Scheine bekommen, aber nicht um die Noten, oder täusch ich mich da?
    Was machst du dann jetzt, wenn ich fragen darf? Würde mich interessieren.

    @nt: haha, guter Witz. Wenn ich’s jetzt nicht ernst nehme, wann dann? Das Studium entscheidet nun mal darüber wer nachher welchen Job bekommt. Grad jetzt in wirtschaftlich nicht so sonderlich tollen Zeiten, bekommen die Besten nen Job. Also muss man sich da reinhängen.
    Und wenn du mit 4 gewinnt nen Schnitt unter 2.4 hast und das obwohl du während dem Semester chillst, dann hast du wohl das Glück richtig gut zu sein, in dem was du studierst. Oder hyperintelligent ;)
    Ich kenne viele Leute, die nach dem Abi gesagt haben, sie wollen jetzt erst mal die nächsten Jahre nichts lernen. Da spricht dann wohl alles für eine Ausbildung. Aber mir würde das nicht reichen, ich will mich weiterbilden und ich will’s jetzt tun. Ich will mehr lernen und irgendwann nen richtig tollen Job haben. Aber das System find ich nicht in Ordnung, wie das mit dem Bachelor so läuft.

  12. m4ki
    2. August 2009, 18:39 | #12

    @untenrum: Da kann ich dir nur zustimmen. Man muss nichts “können” oder großartig intelligent sein. Bei den meisten Prüfungen reicht’s, wenn man auswendig lernt, bzw. es wird sogar verlangt, dass man nur das tut, weil’s ja nicht um Verständnis geht, sondern um reines ins-Hirn-reinprügeln und dann hinrotzen. Ich musste in einer Klausur amerikanische Bundesstaaten in eine blinde Karte einzeichnen. Viele Amerikaner wissen nicht mal, wo Deutschland ist. Warum muss ich dann, noch dazu als Anglistik- und nicht Amerikanistik-Studentin wissen, wo Wisconsin und Illinois sind. Völlig bescheuert, hauptsache ich hab’s auswendig gelernt. Was ich nicht habe. Aber bei 50 Staaten kann man ja zum Glück gar nicht so falsch raten ;)
    Meine Lieblingskurse sind die über Literatur, weil ich gern lese und mich das interessiert. Leider ist auch da der Stoff so viel, dass wir dann auf jede Woche Kurzgeschichten, Texte, Bücher lesen sollen und maximal 10 Minuten haben, um darüber zu reden. Da bleibt mir doch irgendwo der Sinn dieser Veranstaltung verborgen. Sind Literaturkurse nicht dazu da, über Literatur zu diskutieren? Da hab ich wohl in der Schule nicht aufgepasst.

    Viel Erfolg jeden Falls noch beim auswendig lernen ;)

  13. 8. August 2009, 20:46 | #13

    @m4ki Sorry fuer spaete Antwort, habe den Kommentar ganz vergessen. Im Grundstudium gings vor allem erst einmal darum, richtig lernen zu lernen. Es ist naemlich ziemlich beschissen, in der Schule kaum gelernt zu haben und dann auf einmal “richtig” auf die Pruefungen vorgehen zu muessen. Der “Stress” kam dann eher daher, einen fixen Termin zweier oder dreier Pruefungen zu haben, und bis dahin musste das sitzen. Punkt. Letztendlich war’s dann eh nur “vier gewinnt”, das stimmt, aber irgendwann packt einen dann schon der Ehrgeiz, und bei der letzten VD-Pruefung hab ich’s dann auch durch zielgerichtetes Lernen geschafft, im VD Noten von 1,0 bis 4,0 stehen zu haben — trotz gleichem Arbeitsaufwand :D

    Ich studiere BTW immer noch dasselbe, falls das die Rueckfrage war. Man muss sich nur die interessanten Vorlesungen aussuchen, auch wenn das im Bachelor immer schwieriger wird, wie ich aus PA-Erfahrung weiss.

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