Angst im Ghetto



Ich möchte einen Spaziergang machen. Ich möchte dicke Winterschuhe anziehen, eine Mütze und einen wolligen Schal, Handschuhe und meinen warmen Mantel. Und dann möchte ich rausgehen und im Schnee spazieren, kalte Luft schnappen und erfrischt und erholt wieder reinkommen. Aber ich habe Angst. Es ist dunkel und ich bin allein, und wie jüngste Ereignisse zeigen, ist man hier nicht sicher.

Als Frau fühle ich mich generell nicht so wohl dabei, nachts allein an dunklen Orten rumzulaufen. Früher hab ich mir da nicht so viele Gedanken gemacht, vor allem in meinem ruhigen Heimatort, wo nie etwas passiert. Aber auch da ist es inzwischen nicht mehr so friedlich.

Hier in Regensburg ist eigentlich immer was los. Wenn ich vom Bus oder vom Taxi über die beiden Wohnheimgelände nach Hause gehe, ist fast immer irgendwo noch ein Student unterwegs. Oder ich bin in Begleitung. Regensburg ist eine recht friedliche Stadt, nicht zu vergleichen mit einer Großstadt wie München oder Berlin. Aber inzwischen ist mir auch hier nicht mehr allzu wohl dabei, nachts allein draußen zu sein, denn ich wohne im Ghetto. Das muss man schon mal eingestehen. Vor wenigen Tagen berichteten die Medien über einen Zwischenfall hier in Königswiesen. Unten an der Kreuzung, am Ende der Straße, in der ich wohne. Da wurde nachts ein Mann von mehreren Tätern brutal zusammengeschlagen, scheinbar grundlos. Das Opfer lag tagelang im Koma und hat Glück, überhaupt noch am Leben zu sein. Die Täter wurden noch nicht gefunden und laufen immer noch hier rum.

In der Arbeit habe ich täglich News über Gewaltverbrechen. Morde, Körperverletzung, bewaffneter Raubüberfall, Vergewaltigungen. Ich frage mich, in welcher Welt wir leben, dass das an der Tagesordnung steht. Ich frage mich, wie es soweit gekommen ist und ob das tatsächlich schon immer so war und mir nur jetzt so verstärkt auffällt. Ich frage mich, ob man heutzutage überhaupt noch irgendwo allein auf der Straße sicher ist. Ich denke nicht.

Veröffentlicht am 10.01.2010 um 19:51 unter alltägliches, deprimiertes, gedachtes, gefragtes, gehörtes, gelesenes, trauriges. Du kannst die Kommentare als RSS-Feed abonnieren. Hinterlasse einen Kommentar oder einen Trackback von deinem Blog.

6 Kommentare zu “Angst im Ghetto”

  1. Piratmedia sagt:

    Darum zieh ich später mal auf einen Einödhof.

  2. torschtl sagt:

    Pfefferspray kommt sicher wieder in Mode…wobei das oft bestimmt auch nichts hilft :/ einfach eine komische welt…

  3. m4ki sagt:

    @Piratmedia: Da bist du auch nicht sicher ;)

    @torschtl: Das ist noch in Mode ;) Bin mir aber auch nicht sicher, ob das im Ernstfall viel helfen würde..

  4. mandarine_one sagt:

    man is nirgendwo mehr sicher… sogar in sonem verschlafenen nest wie neuburg gibts so vorfälle.. alter und ich hab immer gedach in kleinstädten hat man seine ruhe vor so brutalem gesocks!

  5. Ghetto Regensburg sagt:

    Königswiesen ist wie Berlin Neukköln.
    Ein Problemviertel mit hohen Ausländeranteil so wie alle Problemviertel nur kanaken gibt es dorten.
    Wenn ich nach dem Bund keine Arbeit finde muss ich warscheinlich dort hinziehen :S
    Und wer ist schuld die Politiker weil man in solche viertel keine Zukunft hat

  6. m4ki sagt:

    Naja, ich glaub in Neukölln gehts doch nochmal anders zu :D
    Königswiesen ist nicht sooo übel. Natürlich mehr Problemviertel als meine ruhige Heimat, aber hier wird nicht jeden Abend wer abgestochen oder so (und wenn doch, wissen sies gut zu vertuschen).

Schreib was - ich freu mich drüber!

B) ;) :| :yes: :wirr: :tired: :sweat: :sun: :squirrel: :roll: :rofl: :rain: :puh: :party: :no: :music: :love: :lipstick: :like: :kotz: :hug: :hrhr: :hihi: :hi: :herz: :fu: :freu: :flower: :flirt: :emo: :dislike: :devil: :dance: :countdown: :cocktail: :cake: :blush: :bla: :belehr: :beer: :angry: :angel: :X :S :P :O :D :*( :* :) :( 8)