Ich habe mich schon oft verliebt. Mal mehr, mal weniger, mal erfolgreich, mal nicht. Ich hab mich oft getäuscht, ich hab oft sozusagen richtig ins Klo gegriffen. Wenn es viele tolle Männer auf dieser Welt gibt, hatte ich lange Zeit ein Händchen dafür, viele weniger tolle zu erwischen.
Ich hatte zwei längere Beziehungen und in beiden war ich glücklich, zumindest einige Zeit lang. Ich dachte das wär’s, quasi die Erfüllung. Endlich nicht mehr “suchen”, endlich nicht mehr irgendwo irgendwen kennenlernen und dann beim ersten oder zweiten oder dritten Date merken, dass man doch so gar nicht auf einer Wellenlänge ist.
Beide Male habe ich eigentlich schon nach der ersten Verliebtheit gemerkt, dass das nichts für ewig ist – und dass es, falls doch, verdammt viel Arbeit werden würde. Und ich dachte mir, vielleicht ist das so mit der Liebe. Vielleicht ist das alles, was ich erwarten kann. Es heißt ja immer, an Beziehungen muss man arbeiten und auch Kompromisse eingehen. Also war ich mir sicher, dass es dazu gehört, zu streiten. Einmal im halben Jahr, einmal im Monat, schließlich einmal die Woche. Und irgendwann dachte ich mir, wenn das Liebe ist, dann reicht mir Liebe nicht.
Ich wollte nicht aufgeben, ich hatte zeitweise Angst, dass ich Beziehungen nicht auf die Reihe kriege. Ich weiß, ich bin jung und da kann man so etwas noch nicht sagen, aber ich mache mir immer viele Gedanken und da kommen auch solche dazu. Ich wollte, dass es funktioniert und ich wollte, dass es hält. Ich hab mich verbogen und wurde zu jemandem, der ich eigentlich nicht bin. Dass es so nicht gehen konnte, war mir aber irgendwie auch klar. Und als es dann zu Ende war, wusste ich wenigstens, dass ich alles versucht hatte.
Jetzt, heute, nach den 429 schönsten Tagen meines Lebens, kann ich sagen, dass Liebe gar nicht so ist, wie ich damals dachte. Oder zumindest nicht so sein muss. Nach der ersten Verliebtheit kann die zweite kommen und die dritte und die vierte. Man muss sich nicht streiten, wenn man anderer Meinung ist. Und wenn’s doch mal sein muss, ist es nicht tragisch. Es endet nicht mit Tränen und erschüttert nicht die ganze Welt. Man muss nicht immer zweifeln und immer kämpfen um irgendwas zu retten.
Ich denke heute, wenn man den Richtigen hat, muss man gar nicht viel Energie aufwenden. Da läuft es größtenteils auch wie von selbst, und wenn nicht, gibt man sich gern Mühe, ohne sich überanstrengt zu fühlen. Man hat nicht das Gefühl, immer kämpfen zu müssen, damit daraus was werden kann. Eigentlich denkt man überhaupt nicht daran, dass es irgendwann mal wieder anders sein könnte als jetzt. Man kann sich einfach fallen lassen und ausnahmsweise mal keine Gedanken machen. Und man kann sich mit 21 Jahren nach über einem Jahr alltagsgeprüfter Beziehung immer noch fühlen wie ein 14-jähriger Teenager, wenn man ihm in die Augen schaut.























12.04.2010 um 23:51
14.04.2010 um 08:41
Hast du sehr schön geschrieben!