
(Achtung: Ein sehr langer Post. Ich würde ihn vermutlich nicht lesen, wenn’s nicht mein eigener wäre. Ich verallgemeinere hier bewusst, um die unüberschaubare Masse scheinbar identischer Blogs zu veranschaulichen – es soll sich bitte niemand persönlich angegriffen fühlen, darf ja schließlich jeder bloggen, was und wie er will.)
Lippenstiftsammlungen. Nagellack, Schmuck, Lipgloss, Lidschatten, Puder, Rouge, Wimperntusche. Shoppingberichte, Tipps, Outfits, Swatches, Hauls, Reviews, NATWs, EOTDs und AMUs*. LEs, Sales und neue Kosmetikmarken. Das alles habe ich im Feedreader.
*Du hast die meisten dieser Begriffe noch nie gehört und hast keinen Schimmer, was diese Abkürzungen bedeuten sollen? Das ging mir anfangs ähnlich…
Bei diesen “Fashionbloggern” (gefühlte 99% nutzen Blogspot und sind erstaunlich beliebt, wenn man den Leserzahlen Glauben schenken kann) gibt es selten was Privates. Selten irgendwas, das für mich “Wert” hat. Oft belangloses Zeug. Jeder zeigt, was er hat. Klar, Frauen reden allgemein gern über sich. Männer hören ungern zu. Also bloggen. Ich weiß, ich bin da manchmal nicht anders. Aber wird man es nicht irgendwann leid, wenn man sich kein bisschen abhebt? Wenn zig tausende deutsche Beautyblogger über die Limited Edition bei Essence oder das neue Sortiment von MNY schreiben, alle mit den gleichen Infos und den gleichen Fotos?
Ich habe vor wenigen Wochen viele dieser Blogs in den Feedreader gepackt, um mir das mal anzuschauen. Bisher habe ich nur “Content-Blogs” gelesen, wo die Autoren entweder Informationen oder Persönliches bis hin zu literarischen Ergüssen gepostet haben. Etwas, das man lesen kann, nicht nur anschauen. Etwas, das oft inspiriert und zum Nachdenken anregt. Von Leuten mit kritischer Meinung, die sich kein echt teures Make-Up kaufen, nur weil ‘ne tolle Marke draufsteht (die alle wahnsinnig lieben, von der ich aber bis vor ein paar Wochen noch nie was gehört hatte, weil’s die nur in “ausgewählten” Geschäften gibt und völlig überteuert ist).
Das war neu für mich, so viele Informationen über Kosmetikzeug, und dabei bin ich ein Mädchen und schminke mich sehr gern. Hunderte Testberichte habe ich gelesen. Fotos davon, wie das neue XY-Lipgoss auf den Lippen aussieht, wie gut der tolle Nagellack wirklich hält und auch von Haarentfernungsmethoden. Das ist wirklich ein kleines Universum für sich. Ein Netzwerk von Beautybloggern. Da kennen sich viele, man findet immer wieder die gleichen Leute auf allen möglichen Seiten, wie sie kommentieren und sich gegenseitig verlinken. Gespannt werden die neusten Hauls (=Einkäufe) präsentiert und die letzten Swatches (=bebilderte Demonstration, wie Kosmetik auf der Haut aussieht) gezeigt.
Alles findet man da. Tolle Gewinnspiele, interessante Tipps und aufschlussreiche Reviews. Ich habe mich schon ein wenig beeinflussen lassen – zumindest für ein paar Wochen. Und dann kam dieser Moment, wo ich beschlossen habe, fast alle dieser Blogs aus meinem Feedreader zu verbannen. So schnell wie sie gekommen sind, gingen sie.
Ich habe mich eine Zeit lang gefragt, ob mein Blog auch in diese Kategorie reinrutscht. Ich schreibe hier, worauf ich Lust habe, egal ob es zu meinem “Thema” (sofern vorhanden) passt, oder nicht. Wenn mir nach einem Foto meines Nagellacks ist, blogge ich das. Wenn mir nach politischen Themen oder den neusten Fußballergebnissen ist, blogge ich auch das (rein hypothetisch, wird vermutlich nie passieren – aber ich könnte!). Ich will mich nicht festlegen und schon gar nicht in eine Schublade stecken lassen, genau so wie ich es gerade mit den Beautyblogs in meinem Feedreader mache. Ich stecke sie in eine Schublade, weil sie für mich alle gleich sind. Fast keine der Damen lässt irgendwie ihren Charakter einfließen, so dass ich diejenige am Schreibstil wiedererkennen würde. Und das ist der Grund, warum ich aufhöre, das zu lesen.
Nach ein paar Tagen Feedlesefaulheit haben sich hunderte ungelesene Beiträge angesammelt. In meiner Freitag-Abend-Langeweile habe ich gerade begonnen, die Posts durchzuschauen. Und was ist mir da aufgefallen? Meine Lieblingsblogs stechen total heraus. Lolas Beiträge erkenne ich bereits an der Überschrift, ebenso die von der Sternengreiferin oder Miss Zebra. Einige weitere sind dabei, die ins Auge stechen. Und eine Masse an Posts über das heutige Augenmake-up oder Lipgloss, das ich mir nie kaufen würde, weil mir mein Geld einfach zu schade dafür ist. Mal ehrlich, was soll denn ein Lipgloss können, dass es >30 Euro kostet? Ich denke da irgendwie in anderen Dimensionen…
Und Make-up ist ja sowieso immer Typsache. Ich habe den Fehler gemacht, auf ein paar der Damen zu hören, wenn sie übermäßig von etwas geschwärmt haben und es war fast jedes Mal ein Reinfall. Ich glaube, ich bleibe bei der alten Tour, zum dm gehen und das kaufen, was mir gefällt, unabhängig davon, ob jemand anders sagt, es würde nicht halten was es verspricht. Für ein paar Wochen war es wirklich interessant, in dieses Schminkuniversum reinzuschauen. Ich habe mir nach einem Tipp und allgemeiner Begeisterung eine Lidschattenpalette gekauft mit Lidschatten für den Rest meines Lebens, und die ist nicht mal besonders gut. Ich habe den Liebsten täglich zugemüllt mit “Boah, da gibt’s voll das tolle neue Lipgloss” und “Schau mal hier, die Wimperntusche brauch ich unbedingt”. Aber ich glaube, ich bin wieder back to normal.
Und irgendwie weiß ich jetzt umso mehr, warum ich m4kimäßig schreibe. Die Beautyblogger haben recht hohe und vor allem beständige Leserzahlen. Ich habe zur Zeit weder noch. Aber von mir aus finde ich mich mit 10 Besuchern pro Tag ab. Oder noch weniger. Aber bei denen weiß ich dann zumindest, dass sie hier sind, weil sie lesen wollen, was ich zu sagen habe. Und nicht das, was weitere hundert Frauen ganz genauso schreiben und was zwanzig Posts mit gleichem Titel im Feedreader ergibt. Das hier ist und bleibt ominöses. Wenig informativ, ohne klare Struktur oder Thema, mit unpassenden Überschriften, aber dafür mit Herz.
comments