Ich möchte schreiben! Ich wünsche mir, etwas richtig gutes zu schreiben. Ich möchte an einem Wettbewerb für junge Autoren teilnehmen, meine Gedanken mit der Welt teilen. Ich möchte, dass man das liest, was ich schreibe. Nicht nur banalen Alltagskram. Ich möchte meine ganze Kreativität in eine Geschichte stecken und dann sehen, was ich damit bewirken kann. Ich würde so gerne Menschen berühren. Wie es andere Leute mit Fotos machen, mit Malerei oder Musik. Ich möchte Menschen zum weinen bringen und zum lachen und auch zum nachdenken. Ich möchte jemanden erreichen.
Ich sitze vor einem Word Dokument und habe etwa zehn Zeilen geschrieben. 40 Seiten bis 15. März. Bis zum dahin schaffe ich nicht mal 40 Zeilen. Vielleicht versuche ich es mit fünf Seiten bis zum 14. Mai. Das wäre schon eher machbar. Wenn ich einen Plan hätte. Eine Idee. Ein Konzept. Irgendwas.
Ich müsste mehr lesen, um mich literarisch etwas beeinflussen zu lassen. Anregungen zu holen. Meine Kreativität setzt gänzlich aus. Das einzige was ich in nächster Zeit schreiben werde, ist meine Seminararbeit. Damit werde ich kaum jemanden berühren, es sei denn meine Dozentin lacht sich bei der Korrektur darüber kaputt, welchen Schwachsinn ich in eine Kurzgeschichte reininterpretiert habe.
Ich habe mit elf meine erste Geschichte geschrieben. Ohne Ziel, ohne Ende. Es war mehr eine Vorstellung von meinem Leben als eine richtige Geschichte. Ich habe die Figuren so entwickelt wie ich gerne wäre und wie ich gerne Menschen in meinem Umfeld hätte. Und diese Personen haben das gemacht, was ich gerne erleben würde. Die Geschichte war schlecht, richtig mies. Flache Handlung, idiotische Dialoge. Wie man sich das halt so vorstellt in den Alter. Jahrelang habe ich mir immer wieder neue Wendungen einfallen lassen. Im Prinzip war es immer das gleiche. Ich habe auch eine zweite Geschichte angefangen. Ich glaube, ich habe davon noch nie jemandem erzählt. Und diese beiden Texte wird niemals jemand zu Gesicht bekommen. Ich wage es ja selbst nicht mal, mir diesen Mist nochmal durchzulesen. Aber schreiben wollte ich schon immer.
Irgendwann werde ich einen Roman verfassen. Wirklich. Ihr werdet es schon sehen. Ich werde eine bekannte und gefeierte Autorin. Ich werde kein Pseudonym verwenden, ihr werdet mich alle wiedererkennen und meine Fans werden diese Seite finden, wenn sie nach mir googeln. Und dann werden sie das hier lesen: Ich hab’s euch ja gesagt.
mitteilungsbedürftige