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Artikel Tagged ‘beruf’

Einfach schwimmen

18. Juni 2010 2 Kommentare

Dieser Artikel kommt mir sehr bekannt vor. Dreizehn Schuljahre lang hat man nur das Ziel Abitur vor Augen. Ich denke ich spreche für 90% der Abiturienten, wenn ich sage, dass das Berufsziel vor dem Abi nie wirklich klar war. Auch nach dem Abi vermutlich nicht. Dann steht man da und weiß nicht wie und wann und vor allem was und keiner kann’s einem sagen. Plötzlich ist da niemand mehr, den man immer um Rat fragen kann. Man muss sich selber um alles kümmern, man wird nicht fünfmal aufgefordert sich endlich für einen Ausbildungs- oder Studienplatz zu bewerben. Entweder man hält die Frist ein, oder nicht. Es interessiert keinen. Man steht allein da.

Nach 13, beziehungsweise eigentlich ganzen 19-20 behüteten Jahren, zieht man aus, in eine andere Stadt, mit neuen Menschen. Man findet sich nicht zurecht, muss sich erst Mal orientieren, aber merkt bald, dass dafür keine Zeit ist. Man hat keine 13 Jahre mehr, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Man wird ins kalte Wasser geworfen und schwimmt und schwimmt und wenn man Pech hat ist die Strömung stark. Ist jetzt, mit fast 20, einfach der Zeitpunkt gekommen, wo ich ins kalte Wasser springen muss, ohne zu wissen, wohin es mich treibt? fragt Me11a. Ein klares Ja von mir.

Ich studiere seit zwei Jahren und fühle mich immer noch unsicher. Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist, ob ich den Master in diesem Fach machen will, und manchmal glaube ich, ich bin ganz kurz davor alles hinzuschmeißen und was ganz anderes zu machen. Aber irgendwie tu ich’s dann doch nicht. Die zwei Jahre sind mir zu schade, die ich dann vergeudet hätte. 2.000 Euro Studiengebühren für nichts. Andererseits folgen vermutlich noch weitere 4.000 Euro Studiengebühren plus die Kosten für sechs Monate in England. Und weitere vier, fünf Jahre meines Lebens. Und die werden schneller vorbei sein als mir lieb ist, und dann kommt der nächste Wasserfall in den ich mich stürzen muss – mit dem Kopf voraus am besten. Welcher Job, welche Stadt, will ich irgendwann heiraten, Kinder, ein Haus? Das alles muss ich mir dann überlegen, sonst gehen weitere x Jahre verloren, bevor ich merke, was ich will und dass es vielleicht der falsche Weg war.

Für den Moment denke ich von Woche zu Woche. Was muss ich für nächste Woche erledigen? Wann mache ich was? Was kann ich weglassen und welche Reihenfolge ist die beste? In vier Wochen (ach du Scheiße!) schreibe ich Klausuren, dann ist wieder ein Semester vorbei und ich weiß immer noch nicht mehr. Wer ich bin, was ich will und wie meine Zukunft aussehen soll. Aber eigentlich ist das doch gar nicht so schlimm, oder?

Der Traum vom Schreiben

24. Februar 2010 4 Kommentare

Ich möchte schreiben! Ich wünsche mir, etwas richtig gutes zu schreiben. Ich möchte an einem Wettbewerb für junge Autoren teilnehmen, meine Gedanken mit der Welt teilen. Ich möchte, dass man das liest, was ich schreibe. Nicht nur banalen Alltagskram. Ich möchte meine ganze Kreativität in eine Geschichte stecken und dann sehen, was ich damit bewirken kann. Ich würde so gerne Menschen berühren. Wie es andere Leute mit Fotos machen, mit Malerei oder Musik. Ich möchte Menschen zum weinen bringen und zum lachen und auch zum nachdenken. Ich möchte jemanden erreichen.

Ich sitze vor einem Word Dokument und habe etwa zehn Zeilen geschrieben. 40 Seiten bis 15. März. Bis zum dahin schaffe ich nicht mal 40 Zeilen. Vielleicht versuche ich es mit fünf Seiten bis zum 14. Mai. Das wäre schon eher machbar. Wenn ich einen Plan hätte. Eine Idee. Ein Konzept. Irgendwas.

Ich müsste mehr lesen, um mich literarisch etwas beeinflussen zu lassen. Anregungen zu holen. Meine Kreativität setzt gänzlich aus. Das einzige was ich in nächster Zeit schreiben werde, ist meine Seminararbeit. Damit werde ich kaum jemanden berühren, es sei denn meine Dozentin lacht sich bei der Korrektur darüber kaputt, welchen Schwachsinn ich in eine Kurzgeschichte reininterpretiert habe.

Ich habe mit elf meine erste Geschichte geschrieben. Ohne Ziel, ohne Ende. Es war mehr eine Vorstellung von meinem Leben als eine richtige Geschichte. Ich habe die Figuren so entwickelt wie ich gerne wäre und wie ich gerne Menschen in meinem Umfeld hätte. Und diese Personen haben das gemacht, was ich gerne erleben würde. Die Geschichte war schlecht, richtig mies. Flache Handlung, idiotische Dialoge. Wie man sich das halt so vorstellt in den Alter. Jahrelang habe ich mir immer wieder neue Wendungen einfallen lassen. Im Prinzip war es immer das gleiche. Ich habe auch eine zweite Geschichte angefangen. Ich glaube, ich habe davon noch nie jemandem erzählt. Und diese beiden Texte wird niemals jemand zu Gesicht bekommen. Ich wage es ja selbst nicht mal, mir diesen Mist nochmal durchzulesen. Aber schreiben wollte ich schon immer.

Irgendwann werde ich einen Roman verfassen. Wirklich. Ihr werdet es schon sehen. Ich werde eine bekannte und gefeierte Autorin. Ich werde kein Pseudonym verwenden, ihr werdet mich alle wiedererkennen und meine Fans werden diese Seite finden, wenn sie nach mir googeln. Und dann werden sie das hier lesen: Ich hab’s euch ja gesagt.

no need to be perfect

27. Juni 2009 10 Kommentare

Bei Spiegel TV läuft gerade ein Bericht über Schönheit. Es geht um Models, Beauty-OPs, Schönheitssalons und den Einfluss von Schönheit auf den Alltag. Schöne Menschen gelten als erfolgreicher, Schönheit ist Macht, heißt es da. Schöne Menschen werden eher eingestellt und wirken autoritärer. Schöne Menschen verdienen exakt 10% mehr als weniger attraktive. Und wie’s die alte C&A Werbung so schön sagt: no need to be perfect, when you look good.

Über dieses Thema hab ich mir in letzter Zeit öfter mal Gedanken gemacht. Ausschlaggebend ist da vor allem der “Trend” in meinem Studiengang, optisch nichts aus sich zu machen. Abgesehen davon, dass ich bei schockierend vielen im PT-Bereich sicher bin, dass sie außerhalb der Uni kaum ein Leben haben, ist es auch bemerkbar, dass sich viele “gehen lassen”. Ich wünsche mir da jeden Tag, diese Leute mal umstylen zu dürfen. Vielleicht liegt es daran, dass ich persönlich schon Wert auf mein Äußeres lege. Nicht so übertrieben, dass ich nie ohne Make-Up aus dem Haus gehen würde, nicht auch mal in Jogginghose kurz einkaufen gehe oder mich mein Freund nie ungeschminkt sehen darf. Ich habe keine künstlichen Fingernägel, trage nie falsche Wimpern und eher selten hohe Schuhe. Aber trotzdem bin ich eitel genug, mich für die Uni zu schminken, jeden Morgen meine Haare zu waschen, zu glätten und mir zu überlegen, was ich anziehe. Und dann halte ich ein Referat neben einem Mädchen, das aussieht wie 3 Tage nicht geduscht und Klamotten von ihrer Mama trägt. Und natürlich ist sie besser vorbereitet, weil sie vermutlich nichts anderes macht als lernen. Und solche Leute werden immer besser sein als ich, weil ich nicht auf Partys verzichte und ‘nen Freund habe, mit dem ich Zeit verbringen will. Und ich gehe halt gern Shoppen, twittere und blogge. Aber ehrlich gesagt, traue ich mich wetten, dass ich glücklicher bin. Und wenn man Spiegel TV glaubt, werde ich im späteren Berufsleben eher eingestellt, wenn ich geduscht bin. Ich werde mehr verdienen. Und schönen Menschen hört man lieber zu, auch wenn sie bei Referaten nicht ganz so viel Ahnung haben ;)