Extremitäten
Prüfungszeit ist immer eine sehr extreme Zeit. Bei mir gibt es da nichts normales. Wenig Schlaf, große Müdigkeit.
Ich räume tagelang nichts weg, die ganze Couch liegt voll mit Klamotten (oder ich ziehe mich ein, zwei Tage am Stück gar nicht um und lerne im Schlafanzug), dann kommt plötzlich ein Moment, in dem ich alles aufräume – aus Prokrastination auch alle Schränke und Schubladen.
Ich lerne und lerne. Es gibt kein “bisschen lernen” – entweder gar nicht oder volle Power. In der Prüfungszeit natürlich jeden Tag volle Power. Ich sollte aus Zeitgründen besser gar nicht schlafen.
Ich bin verzweifelt. Ich schreie, ich weine, ich bin schrecklich genervt. Man sollte mich besser nicht ansprechen. Ich hasse alle Menschen.
Ich werde richtig panisch, weil mir einfach die Zeit ausgeht. Oder die Zeit vergeht gar nicht. Wenn ich mir zum Beispiel vornehme, die nächste Pause erst in zwei Stunden zu machen.
Manchmal bin ich auch zuversichtlich. Und zwar so richtig, extrem. Dann denke ich alles ist easy. Ich mag die Menschen um mich herum. Ich fühle mich extrem verbunden mit allen, Leidensgenossen, Familie, Unterstützer. Ich bin glücklich über meine Freunde und den Liebsten.
Ich bin entweder völlig k.o. oder ich strotze vor Energie. Zeitweise will ich ins Bett, dann kann ich wieder nicht ruhig sitzen und bin so voller Tatendrang, dass ich richtig lang Laufen gehe. Danach bin ich wieder erledigt, müde, habe Zeit “verschwendet”. Abends kann ich nicht einschlafen.
Ich denke nicht, dass das jemals aufhören wird. Ich muss mich da noch x Semester durchschlagen, man lernt nicht dazu. Es ist jetzt nicht besser als im ersten Semester. Eher im Gegenteil – jetzt weiß ich nämlich, dass ich nie gut genug vorbereitet sein kann.



































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