Ich möchte einen Spaziergang machen. Ich möchte dicke Winterschuhe anziehen, eine Mütze und einen wolligen Schal, Handschuhe und meinen warmen Mantel. Und dann möchte ich rausgehen und im Schnee spazieren, kalte Luft schnappen und erfrischt und erholt wieder reinkommen. Aber ich habe Angst. Es ist dunkel und ich bin allein, und wie jüngste Ereignisse zeigen, ist man hier nicht sicher.
Als Frau fühle ich mich generell nicht so wohl dabei, nachts allein an dunklen Orten rumzulaufen. Früher hab ich mir da nicht so viele Gedanken gemacht, vor allem in meinem ruhigen Heimatort, wo nie etwas passiert. Aber auch da ist es inzwischen nicht mehr so friedlich.
Hier in Regensburg ist eigentlich immer was los. Wenn ich vom Bus oder vom Taxi über die beiden Wohnheimgelände nach Hause gehe, ist fast immer irgendwo noch ein Student unterwegs. Oder ich bin in Begleitung. Regensburg ist eine recht friedliche Stadt, nicht zu vergleichen mit einer Großstadt wie München oder Berlin. Aber inzwischen ist mir auch hier nicht mehr allzu wohl dabei, nachts allein draußen zu sein, denn ich wohne im Ghetto. Das muss man schon mal eingestehen. Vor wenigen Tagen berichteten die Medien über einen Zwischenfall hier in Königswiesen. Unten an der Kreuzung, am Ende der Straße, in der ich wohne. Da wurde nachts ein Mann von mehreren Tätern brutal zusammengeschlagen, scheinbar grundlos. Das Opfer lag tagelang im Koma und hat Glück, überhaupt noch am Leben zu sein. Die Täter wurden noch nicht gefunden und laufen immer noch hier rum.
In der Arbeit habe ich täglich News über Gewaltverbrechen. Morde, Körperverletzung, bewaffneter Raubüberfall, Vergewaltigungen. Ich frage mich, in welcher Welt wir leben, dass das an der Tagesordnung steht. Ich frage mich, wie es soweit gekommen ist und ob das tatsächlich schon immer so war und mir nur jetzt so verstärkt auffällt. Ich frage mich, ob man heutzutage überhaupt noch irgendwo allein auf der Straße sicher ist. Ich denke nicht.
mitteilungsbedürftige