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Artikel Tagged ‘ruhe’

Hier und dort

30. März 2010 5 Kommentare

Was ist die Mehrzahl von Zuhause? Zuhausen? Kann man überhaupt mehrere Zuhausen haben? Oder ist und bleibt das eine das Zuhause und das andere ist mehr eine zweckmäßige Unterkunft?

Ich weiß nicht, warum, aber in diesem Frühjahr fühle ich mich “daheim” mehr als Gast als wirklich “zuhause”. Vielleicht, weil ich im vergangenen Semester kaum dort war. Mein Leben hat sich völlig verlagert, nicht zuletzt wegen diesem einen Mann, der eben hier ist. Allein schon die Differenzierung zwischen hier und dort, bei der hier in 95% der Fälle Regensburg ist, macht mir deutlich, wo mein Leben ist.

Daheim ist es schön. Daheim in der Hallertau, wo es ruhig ist, wo nicht so viel los ist, wo man sich kennt. Das ist schön. Ich fühle mich wohl dort, aber dieses Gefühl war schon viel, viel stärker.

Ich wollte Fotos machen, die letzten Tage. Von meiner Heimat. Ich wollte euch zeigen, was so schön dort ist, warum ich es so mag. Aber der einzige Tag der letzten Woche, als ich Zeit dafür gehabt hätte, war gestern, und da habe ich mich dann doch dafür entschieden, meinen Schlafanzug nicht zu verlassen.

Hier in Regensburg ist alles anders. Ich bin öfter allein, und ich habe nicht das Gefühl, mich dafür rechtfertigen zu müssen. Ich kann kommen und gehen wann und wohin ich will. Ich brauche nicht viel Rücksicht nehmen. Ich esse was und wann ich will, ich kaufe ein, ich lasse meine Klamotten tagelang im ganzen Zimmer verstreut liegen, wenn ich das will. Wenn ich meine Ruhe will, stört mich niemand. Und wenn ich Gesellschaft will, ist auch meistens jemand da. Jetzt sind wir dann vier. Vier beste Freundinnen, vereint am gleichen Ort, im gleichen Wohnheim.

Natürlich kann man zwei Zuhausen haben. Man kann sich hier wohlfühlen und dort. Ich frage mich aber, ob ich mich daheim jemals wieder so fühlen würde, wie damals, als ich das zweite Zuhause noch nicht hatte.

Klaushuren

8. Februar 2010 10 Kommentare

Ich bin empfindlich. Ich bin gestresst, ich bin genervt. Menschen nerven mich. Ich kriege die Krise, wenn jemand meint, er müsste mir im Weg stehen. Wenn jemand laut ist, wenn jemand rücksichtslos ist, wenn jemand schreit, singt oder auch lacht. Schuhe mit Absätzen gehören in der Bibliothek verboten. Genauso wie die Tussi mit dem hässlichen gelben Cardigan, die aussieht wie Nora Tschirner und die mit ihren wahnsinnig lauten und ebenso hässlichen Stiefeln jeden Tag meint, sie müsste achtzehn Mal pro Stunde an meinem Tisch vorbeistolzieren.
Mir soll keiner Fragen stellen und auch keine dummen Kommentare abgeben. Kritik will ich genauso wenig. Ich ertrage es nicht, wenn mir wer was vorschreibt oder mich zu irgendetwas verpflichten will. Ich brauche keine Besserwisser und will nicht mal gut gemeinte Ratschläge. Heute will ich einfach nur meine Ruhe.

Angst im Ghetto

10. Januar 2010 6 Kommentare

Ich möchte einen Spaziergang machen. Ich möchte dicke Winterschuhe anziehen, eine Mütze und einen wolligen Schal, Handschuhe und meinen warmen Mantel. Und dann möchte ich rausgehen und im Schnee spazieren, kalte Luft schnappen und erfrischt und erholt wieder reinkommen. Aber ich habe Angst. Es ist dunkel und ich bin allein, und wie jüngste Ereignisse zeigen, ist man hier nicht sicher.

Als Frau fühle ich mich generell nicht so wohl dabei, nachts allein an dunklen Orten rumzulaufen. Früher hab ich mir da nicht so viele Gedanken gemacht, vor allem in meinem ruhigen Heimatort, wo nie etwas passiert. Aber auch da ist es inzwischen nicht mehr so friedlich.

Hier in Regensburg ist eigentlich immer was los. Wenn ich vom Bus oder vom Taxi über die beiden Wohnheimgelände nach Hause gehe, ist fast immer irgendwo noch ein Student unterwegs. Oder ich bin in Begleitung. Regensburg ist eine recht friedliche Stadt, nicht zu vergleichen mit einer Großstadt wie München oder Berlin. Aber inzwischen ist mir auch hier nicht mehr allzu wohl dabei, nachts allein draußen zu sein, denn ich wohne im Ghetto. Das muss man schon mal eingestehen. Vor wenigen Tagen berichteten die Medien über einen Zwischenfall hier in Königswiesen. Unten an der Kreuzung, am Ende der Straße, in der ich wohne. Da wurde nachts ein Mann von mehreren Tätern brutal zusammengeschlagen, scheinbar grundlos. Das Opfer lag tagelang im Koma und hat Glück, überhaupt noch am Leben zu sein. Die Täter wurden noch nicht gefunden und laufen immer noch hier rum.

In der Arbeit habe ich täglich News über Gewaltverbrechen. Morde, Körperverletzung, bewaffneter Raubüberfall, Vergewaltigungen. Ich frage mich, in welcher Welt wir leben, dass das an der Tagesordnung steht. Ich frage mich, wie es soweit gekommen ist und ob das tatsächlich schon immer so war und mir nur jetzt so verstärkt auffällt. Ich frage mich, ob man heutzutage überhaupt noch irgendwo allein auf der Straße sicher ist. Ich denke nicht.

1.000 Dank

20. Dezember 2009 4 Kommentare

Nachdem’s hier auf meinem Blog zur Zeit ein wenig ruhiger zugeht, hab ich gerade die Twitter-Followermarke von 1.000 geknackt. Schon seltsam, wen man bedenkt, dass 1.000 Leute meinen täglichen Schwachsinn lesen. Ziehen wir noch die Spam-Accounts ab, sind’s immer noch ne ganze Menge. Ich weiß nicht, wen das interessiert, aber es freut mich, dass es so ist. Hiermit danke ich meinen 1.000 Followern und besonders Konna, der die Nummer 1.000 war.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

8. Dezember 2009 Keine Kommentare

Ich habe Kerzen an. Immerzu eigentlich. Teelichter, große Kerzen, bunte Kerzen, Duftkerzen. Ich finde, das macht eine angenehm wohlige Atmosphäre. Wenn die Kerzen erst mal an sind, komme ich zur Ruhe. Ich weiß, dass ich dann entspannen kann, weil ich daheim bin und auch nicht mehr aus dem Haus gehen werde.

Hier hat das auch noch den Grund, weil die Wohung von Zeit zu Zeit vom Tarek noch etwas rauchmodrig riecht. Wenn ich da nicht alle paar Tage ‘ne Kerze anmache, retten auch die Duftstäbchen nichts mehr. Gerade hab ich mir die Nägel lackiert. Da verschwindet der Nagellackdampf auch schneller aus dem Fenster, wenn er merkt, dass für ihn kein Platz ist, weil ich schon Kerzenduft habe.

Deswegen liebe ich den Advent, generell den Winter. Im Sommer macht niemand Kerzen an. Passt irgendwie nicht. Aber ich finde das gerade sehr schön. Und auch, dass der Liebste oft Kerzen an macht, wenn ich zu ihm komme. Er macht sich zwar überhaupt nichts daraus, aber er weiß, dass es mir gefällt. Es sind einfach solche Kleinikeiten, an denen man merkt, dass man den Richtigen gefunden hat.